Die Speisekarte neben der Serviette
an Besteck auf Tisch




Mein Freund Manfred und meine Wenigkeit trafen uns neulich in der Speisegaststätte „Luxor”, die früher, zu Zeiten ihrer Punk-Ära als Kneipe dafür bekannt war, dass man sich im Falle eines spontan einsetzenden Würgereizes nicht auf die Toilette begeben musste: Man übergab sich einfach die Treppe hinunter. Da der Wirt angesichts dieser Vorkommnisse vor einige Jahren beschloss, den Auswüchsen anarchistischen Lebensgefühls einen Energieriegel vorzuschieben, gab er sich und dem „Luxor” einen neuen Anstrich. Von nun an ging es eher edel zu. Die als sehr gut zu bezeichnende Küche sog schnell das entsprechende Publikum in den Laden: Werber, Chefredakteure, Architekten und viele andere Leute, die keinen Geschmack haben. Die Ritterlichkeit der „Luxor”-Mannschaft bewies sich hernach darin, dass sie dennoch nicht vom Qualitätsstandard der Speisen und Weine abließ. Hierin ist nun der Grund zu finden, warum Manfred und ich auch an diesem Abend im „Luxor” saßen und greinend die Speisekarte lasen, die sich feuilletonistisch ihrem Publikum immer mehr anzugleichen schien und neben der Serviette an Besteck auf Tisch lag. „Lammbraten in der Olivenkruste” lasen wir erschrocken und fragten uns, was das zu bedeuten hatte. Dass wir, sollten wir das Mahl beide ordern, angeschmiert wären, weil die Olivenkruste eben nur singulär existiert? Manfred fragte...





 
 
Harry Valérien

Die Speisekarte

Da müssen wir uns committen

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