Vom 19. bis zum 22. Mai 2005 fährt bei der Mille Miglia, dem schönsten und bedeutendsten Oldtimer-Rennen der Welt, alles, was Rang und Namen hat: Ferrari, Porsche, Bentley & Co.


Mit alten Kisten und 140 Sachen durch Florenz


Männer in teuren Anzügen, denen normalerweise selbst ein herbes Verlustgeschäft an der Börse keine Träne entlocken kann, weinen beinahe. Sie halten ihre Handys, über die sie Verbindung zu ihren Frauen oder Freunden halten, ganz tief nach unten. Sie berühren fast den Kies. Ein Röhren ist Mal zu hören, dann ein Brummen, wieder ein Fauchen. »Mein Gott!« ruft einer verzweifelt Richtung Deutschland in das Telefon, »das war ein Pooorsche! Wenn Du das sehen könntest…, ein Flügeltürer! Jetzt ein Ferrari. Ich werde wahnsinnig!« Das Mobiltelefon hält er immer noch in Auspuffhöhe.
Es sind noch zwei Stunden bis zum Start der Mille Miglia, der tausend Meilen von Brescia in Norditalien nach Rom und wieder zurück. Ein Oldtimer-Rennen. Das Oldtimer-Rennen! Nirgendwo sonst auf der Welt versammeln sich jedes Jahr so viele automobile Schönheiten wie hier. Allerdings können die auch ganz schön zickig sein. Die Roten aus der Heimat der Mille Miglia, irgendwann in den Fünfzigern von Hand gebaut, bringen es manchmal auf über 400 starke Pferde, die nervös mit den Hufen scharren. Und so was darf auf normalen Straßen fahren? Soll fahren! Und zwar so schnell es geht. Und so laut es geht. Beim Traditionsrennen, bei dem die Piloten der rund 370 alten Karossen aus den Baujahren von 1927 bis 1957 bei Gleichmäßigkeits-Prüfungen auf abgesperrten Teilstücken der 1600 Kilometer langen Strecke ihr Können unter Beweis stellen sollen, sind diese Examina – typisch italienisch! – völlige Nebensache. Obwohl Fahrer aus vielen Nationen starten und sie sämtliche Wettbewerbs-Abschnitte akribisch absolvieren, jubelt ohnehin am Ende fast immer Italiener. Und das seit 58 Jahren! Was sich auf den Straßen abspielt, in Florenz, in Rom, unterwegs auf den Landstraßen, in den Dörfern, auf den Autobahnen, in der Altstadt von Assisi, in der normalerweise unter Androhung der Knüppelstrafe kein Pneu den heiligen Boden berühren darf – das ist...

 











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